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Internationaler Tag der Händehygiene am 5.5.2021

Internationaler Tag der Händehygiene am 5.5.2021
Hygiene am Point-of-Care verbessern

Die Redewendung „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist weit mehr als eine Binsenweisheit. Denn die Erkenntnis, dass Abwesenheit zu Vergessenheit führt, kann durchaus zu wichtigen Problemlösungen führen. In der Infektionsprävention zum Beispiel zu einer besseren Händehygiene in der Patientenversorgung. 


Die hygienische Händedesinfektion soll in infektionskritischen Situationen sicherstellen, dass keine Krankheitserreger übertragen werden. Ein hohes Risiko besteht bei der Patientenversorgung, am so genannten Point-of-Care. Und genau an diesem Ort will die WHO mit ihrer Kampagne zum Internationalen Tag der Händehygiene am 5.5.2021 die Patientensicherheit erhöhen [1]. 
 

Definition des Point-of-Care (POC)

Der Point-of-Care (POC) definiert den Ort, an dem drei Elemente in der Gesundheitsversorgung zusammenkommen: Der Patient, der Mitarbeiter und die Pflege bzw. die Behandlung [2]. Am Point-of-Care spielen sich die meisten Indikationen für eine Händedesinfektion ab: Die 5 Momente der Händehygiene – darunter auch der für die Patientensicherheit besonders kritische Moment der aseptischen Tätigkeiten.
 

Händehygiene vor aseptischen Tätigkeiten 

Eine Langzeitstudie in deutschen Krankenhäusern mit über 3000 Stationen zeigt, dass die Compliance bei der Händehygiene gerade beim Moment 2 – vor aseptischen Tätigkeiten – häufig gering ausfällt oder sich nur schwer steigern lässt [3]. Aktuellen Referenzdaten der AKTION Saubere Hände zufolge, schneidet die Compliance vor aseptischen Tätigkeiten unter allen 5 Indikationen für eine Händedesinfektion am schlechtesten ab [4]. 

Während die Momente: 

  • Vor Patientenkontakt
  • Nach Kontakt mit infektiösem Material
  • Nach Patientenkontakt
  • Nach Verlassen der direkten Patientenumgebung


Complianceraten ab 70 % und höher erreichen, erhält die Händedesinfektion vor infektionskritischen Momenten wie Legen und Manipulation von Zugängen, Verbandwechsel, Beatmung und i.v.-Gabe von Medikamenten mit nur knapp über 60 % nicht den Stellenwert, den sie haben sollte [4].


Hygiene-Tipps für den Point-of-Care

Auch wenn die Steigerung des Händehygiene-Compliance keineswegs banal ist, lassen sich doch bereits mit einfachen Verbesserungen Erfolge am Point-of-Care erzielen:

  • Sichtbarkeit erhöhen
    Viel hilft nicht viel: Händedesinfektionsmittelspender, die während einer Behandlung stets im Blick des Personals sind, erhöhen die Bereitschaft zur Händedesinfektion stärker als die bloße Erhöhung der Spenderanzahl [5].
     
  • Verfügbarkeit sicherstellen
    Händedesinfektionsmittel sollten überall dort sein, wo Patienten versorgt werden. Mindestanforderung im Patientenzimmer: Auf der ITS je Bett ein Spender, auf Normalstation ein Spender je zwei Betten. 25 % der Intensivstationen und 40 % der Normalstationen haben hier Nachholbedarf [2, 6]. Die Ausstattung des Personals mit Kittelflaschen kann die Compliance am POC erhöhen.
     
  • Einfachen Zugang ermöglichen
    Keine langen und auch keine kurzen Wege: Das Händedesinfektionsmittel sollte lediglich eine Armlänge entfernt von dem Ort sein, an dem der Patient gerade behandelt wird [2].


Wie könnte eine optimale Spenderplatzierung zum Beispiel in OP-Bereichen, der Zentralen Notaufnahme, auf Intensiv- und Normalstationen aussehen? Anregungen geben die grafischen Checklisten von Dr. Schumacher.
 

Quellen:

1.    World Hand Hygiene Day 2021. Seconds save lives – clean your hands! https://www.who.int/campaigns/world-hand-hygiene-day/2021. Letzter Zugriff 30.04.2021.
2.    World Health Organization & WHO Patient Safety. (2009). WHO guidelines on
hand hygiene in health care.
3.    Kramer T S et al. (2020). Journal of Hospital Infection; 106 (1): 71-75
4.    Aktion Saubere Hände. Institut für Hygiene und Umweltmedizin Charité Universitätsmedizin Berlin. Compliance Beobachtungen – Referenzdaten (2020). Berechnungszeitraum: Januar 2019 bis Dezember 2019. 
5.    Thomas BW et al. (2009). JAOA; 109 (5): 263-267
6.    Azim S et al. (2016). American Journal of Infection Control; 44 (7):772-776